Sichtbare Haut, unsichtbare Last: Stigmatisierung erkennen

Junge Frau, die ihr Gesicht mit Händen bedeckt und Vitiligo an Armen und Schultern zeig
© iStock Alfonso Soler

Auf einen Blick:

  • Stigmatisierung ist eine häufige und oft übersehene Belastung bei sichtbaren Hauterkrankungen.
  • Das Stigmatisierungserleben hängt stärker mit psychischer Belastung als mit der Sichtbarkeit der Hautveränderungen zusammen.
  • Scham, sozialer Rückzug und Suizidgedanken sollten aktiv erfragt werden.

Wenn Blicke zur Belastung werden

Hauterkrankungen sind sichtbar – ihre psychosozialen Folgen bleiben dagegen häufig verborgen. Angestarrt zu werden, irritierte Reaktionen zu erleben oder sich im Kontakt mit anderen unwillkommen zu fühlen, kann psychisch belasten und Scham auslösen. Wahrgenommene Stigmatisierung erschwert zudem die Inanspruchnahme medizinischer Hilfe, die Therapieadhärenz und die aktive Beteiligung an der Behandlung. Für den klinischen Alltag stellt sich deshalb eine entscheidende Frage: Welche Patienten sind besonders gefährdet?

Eine große europäische Multicenterstudie liefert dazu neue Anhaltspunkte. Prof. Dr. Uwe Gieler war als Koautor an der Untersuchung beteiligt. Die Arbeit macht deutlich, warum Stigmatisierung im ärztlichen Gespräch nicht am Rand stehen sollte.

Mehr als 8.000 Teilnehmer geben Einblick

Zwischen 2017 und 2019 wurden an 22 dermatologischen Ambulanzen in 17 europäischen Ländern 5.487 erwachsene Patienten und 2.808 hautgesunde Kontrollpersonen untersucht. Die wahrgenommene Stigmatisierung erfassten die Forscher mit dem 21 Items umfassenden Perceived Stigmatisation Questionnaire. Diagnosen, Erkrankungsschwere und Komorbiditäten wurden ärztlich beurteilt.

Insgesamt berichteten dermatologische Patienten über eine stärkere wahrgenommene Stigmatisierung als die Kontrollgruppe. Besonders deutlich zeigte sich der Unterschied bei verwirrtem beziehungsweise irritiert wirkendem Verhalten und anstarrendem Verhalten. Nach Berücksichtigung soziodemografischer, gesundheitsbezogener und psychischer Einflussfaktoren wiesen vor allem Patienten mit Psoriasis, atopischer Dermatitis, Alopezie oder bullösen Erkrankungen erhöhte Werte auf.

Die Belastung lässt sich nicht einfach ablesen

Interessant ist: Die Sichtbarkeit der Hautveränderungen allein erklärte nicht, wie stark sich Patienten stigmatisiert fühlten. Eine stärkere Belastung berichteten unter anderem jüngere und männliche Patienten, Menschen ohne Partnerschaft sowie Patienten mit einer schweren oder bereits länger bestehenden Erkrankung. Auch Juckreiz, ein höherer Body-Mass-Index und ein schlechterer allgemeiner Gesundheitszustand spielten eine Rolle.

Besonders eng war Stigmatisierung mit der psychischen Belastung verbunden. Patienten, die sich stärker gestresst fühlten, mit ihrem Aussehen unzufrieden waren oder sich intensiv mit vermeintlichen Makeln beschäftigten, berichteten häufiger entsprechende Erfahrungen. Auch Suizidgedanken traten in diesem Zusammenhang auf – ein Befund, der im ärztlichen Gespräch besondere Aufmerksamkeit verlangt. Was dabei Ursache und was Folge ist, lässt sich aus der Studie allerdings nicht ableiten: Stigmatisierung kann psychisch belasten, eine bereits bestehende Belastung kann aber auch beeinflussen, wie soziale Reaktionen wahrgenommen werden.

Gute Versorgung braucht die richtige Frage

Für den Behandlungsalltag heißt das: Psychosoziale Belastungen sollten aktiv angesprochen werden – besonders bei Juckreiz, langer Krankheitsdauer oder hoher Erkrankungsschwere. Ein offenes Gespräch kann Raum für Scham, belastende soziale Erfahrungen und Unterstützungsbedarf schaffen. Werden starke psychische Belastungen oder Suizidgedanken deutlich, braucht es weitere Abklärung und bei Bedarf Unterstützung über die Dermatologie hinaus.

Stigmatisierung ist damit kein bloßer Begleiteffekt sichtbarer Hautveränderungen. Sie kann zu einer eigenständigen Belastung werden, die in der Versorgung Beachtung verdient. Wie Scham, sozialer Rückzug und weitere psychosoziale Belastungen frühzeitig erkannt und im ärztlichen Gespräch sensibel aufgegriffen werden können, wird auch im Rahmen des CME-zertifizierten Online-Dermatologiekongresses „Vulkan Haut – Ent-Zündungen des Integuments in Kindheit, Jugend und Erwachsenenalter“ diskutiert. Der Vortrag von Prof. Dr. Uwe Gieler zeigt, warum neben dem Hautbefund auch das soziale Erleben der Patienten in den Blick gehört.

FAQ: Häufige Fragen

Was bedeutet Stigmatisierung bei einer Hauterkrankung?

Stigmatisierung bedeutet, dass Betroffene wegen ihrer Hauterkrankung angestarrt, irritiert behandelt oder sozial ausgegrenzt werden. Solche Erfahrungen können Scham, psychische Belastung und sozialen Rückzug verstärken und auch die Inanspruchnahme medizinischer Hilfe erschweren.

Bei welchen Hauterkrankungen kann Stigmatisierung besonders belastend sein?

Eine große europäische Studie fand erhöhte Werte wahrgenommener Stigmatisierung unter anderem bei Menschen mit Psoriasis, atopischer Dermatitis, Alopezie und bullösen Erkrankungen. Insgesamt berichteten dermatologische Patienten häufiger von Stigmatisierung als hautgesunde Kontrollpersonen.

Hängt Stigmatisierung nur davon ab, wie sichtbar eine Hauterkrankung ist?

Nein. Die Sichtbarkeit der Hautveränderungen allein erklärte nicht, wie stark sich Betroffene stigmatisiert fühlten. Auch psychische Belastung, Unzufriedenheit mit dem eigenen Aussehen, Juckreiz und die Dauer oder Schwere der Erkrankung standen mit dem Stigmatisierungserleben in Zusammenhang.

Wie können Ärzte Stigmatisierung und psychosoziale Belastung erkennen?

Ärzte können aktiv nach Scham, belastenden sozialen Erfahrungen und sozialem Rückzug fragen – besonders bei starkem Juckreiz, langer Krankheitsdauer oder schwerer Erkrankung. Auch psychische Belastung und Suizidgedanken sollten sensibel angesprochen werden. Bei deutlichem Unterstützungsbedarf ist eine weitere Abklärung und gegebenenfalls Hilfe über die Dermatologie hinaus wichtig.

Dieser Text enthält KI-generierte Inhalte. Sämtliche Inhalte wurden fachlich geprüft und bei Bedarf überarbeitet.

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Bepanthen® Pflichttext

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Wirkstoff: Dexpanthenol

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