Wenn die Haut explodiert und die Psyche kocht: psychische Belastung durch entzündliche Hauterkrankungen
Prof. Dr. med. Uwe Gieler
Uwe Gieler stellt die verschiedenen Aspekte psychosozialer Belastungen bei entzündlichen Hauterkrankungen vor. Sein Schwerpunkt liegt hierbei auf das schnelle Erkennen dieser Komorbiditäten wie Depression, soziale Ängste und Zwängen durch einfache Fragen. Da jede Therapie nicht nur auf einer fachkompetenten und leitliniengerechten Behandlung basiert sondern die Adherence durch Erfassung der subjektiven Situation der Betroffenen ergänzt werden muss um den Erfolg einer Behandlung zu sichern, werden neben epidemiologischen Aspekten der Häufigkeit von Stigmatisierung, sozialer Phobie, suizidalen Ideen und Depressionen in den verschiedenen Schweregraden auch das Shared-Decision-Making als Basis guter Kommunikation in der Praxis vermittelt und auf schwierige Gesprächssituationen mit Patientinnen und Patienten eingegangen.
Bei chronisch-entzündlichen Hauterkrankungen spielen vor dem Hintergrund der eigenen persönlichen Erfahrungen der Patientinnen und Patienten Stigmatisierung und negative Krankheitsverarbeitung eine zentrale Rolle im Umgang mit der eigenen Hauterkrankung. Diese individuellen Persönlichkeitsaspekte stehen wiederum in engem Zusammenhang mit traumatischen Erfahrungen verschiedener Schwere. So ist bei der Hidradenitis suppurativa eine deutlich überzufällige Häufigkeit von Traumatisierungen und posttraumatischer Belastungsstörung evident die die neurogene Inflammation mit stimuliert und beeinflusst.
Durch die Forschungen im Bereich der Psychoimmunologie konnten die Zusammenhänge zwischen Stress – Emotionen – Neuroinflammation auch bei chronisch-entzündlichen Hauterkrankugen sogar auf molekularer Ebene gezeigt werden und bei Juckreiz die Schnittstellen zwischen Haut und Gehirn in ihren Wechselwirkungen aufgezeigt werden. Die aktuelle Diskussion inwiefern Depression und Ängste als affektive Störungen durch chronische Entzündung begünstigt oder sogar stimuliert werden kann oder ob umgekehrt die affektiven Störungen die Entwicklung und Ausprägung einer chronisch-entzündlichen Hauterkrankung verstärken kann wird durch noch laufende Studien dargestellt.
Um den Nutzen und die Effektivität in der Therapie der chronisch-entzündlichen Hauterkrankungen dauerhaft umzusetzen, sollten psychosoziale Aspekte in der Behandlung diagnostisch erfasst und im Rahmen eines Netzwerkes mit Versorgung im psychosozialen Bereich (Selbsthilfe, Patientenschulungen, ambulante Psychotherapie, teilstationäre und stationäre Psychosomatik und Reha sowie der Einsatz von Psychopharmaka) umgesetzt werden.
Neue Konzepte wie das „Life-Course.Impairment“, antizipierte und reale Stigmatisierung, Acceptance und Commitment Psychotherapie, Internet-basierte Psychotherapie durch rezeptfähige Apps sowie störungspezifische Behandlungen am Beispiel der Skin Picking-Therapie zeigen die positiven Entwicklungen im Bereich der Psychodermatologie auf.