Tropische (Vektor-) Infektionen in Deutschland auf dem Vormarsch

Oberstarzt a.D. Dr. Marcellus Fischer

Im Spektrum der in Deutschland diagnostizierten Tropenkrankheiten werden neben den aus den Tropen importierten Reiseinfektionen gelegentlich auch Infektionen beobachtet, die nicht in den Tropen oder Subtropen, sondern bei uns in Mitteleuropa erworben wurden. Diese Infektionen werden in der Infektionsepidemiologie als autochthon bezeichnet. Inzwischen konnten sich bei vektorassoziierten viralen Infektionen in den letzten Jahren Infektionszyklen aufbauen. Die in Europa weitgehend im Alltag unbekannten Übertragungswege gewinnen zunehmend an Bedeutung. Auch die Übertragung von tropischen Parasiten ist möglich.

Ein Beispiel hierfür ist die Larva migrans cutanea, die durch Hakenwurm-Larven (meist Ancylostoma) verursacht wird. Obwohl die Infektion meist in tropischen Sandböden erfolgt, machen infizierte tierische Reservoire, milde klimatische Verhältnisse und feuchtes Klima auch eine Übertragung auf den Menschen bei uns möglich. Klinisch zeigt sich ein charakteristischer, stark juckender, serpiginöser Gang in der Epidermis, der durch die Wanderung der Larve entsteht.

Die Leishmaniose, insbesondere die kutane Form („Orientbeule“), wird durch Protozoen der Gattung Leishmania hervorgerufen. Der entscheidende Vektor hierfür sind Phlebotomen (Sandmücken). Aufgrund steigender Durchschnittstemperaturen finden diese Vektoren zunehmend Lebensräume in Süddeutschland und dem Rheingraben. Auch hier sind infizierte Haustiere (z.B. Importhunde aus dem Mittelmeerraum) Reservoire für die Erreger. Die Erkrankung manifestiert sich klinisch durch chronische, schmerzlose Ulzera oder knotige Hautveränderungen, die oft erst Wochen nach der Inokulation auftreten.

Virale Infektionen wie Dengue und Chikungunya gewinnen durch die Ausbreitung der asiatischen Tigermücke (Aedes albopictus) an Relevanz. Diese Vektoren haben sich bereits im gesamten Mittelmeerraum und auch in Österreich etabliert und wiederholt zu Ausbrüchen geführt. Beide Infektionskrankheiten können sich mit einem flüchtigen, masernähnlichen Exanthem zeigen. Klinisch bestimmend sind ein über Tage anhaltendes hohes Fieber, starke Kopfschmerzen und besonders bei Chikungunya ausgeprägte Arthralgien.

Auch das West-Nil-Virus hat sich in Deutschland besonders in Berlin, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und in Niedersachsen bei Vögeln und Pferden in den letzten Jahren etabliert. Dies führte auch zu ersten autochthonen humanen Infektionen. Diese Arbovirose wird durch Stechmücken übertragen und kann klinisch neben Fieber, neurologischen Symptomen auch mit einem makulösen Exanthem einhergehen.

Für die dermatologische Praxis bedeutet dies, dass bei unklaren Exanthemen und chronischen Hautläsionen auch ohne entsprechende Reiseanamnese an tropenassoziierte Erreger gedacht werden muss.

 

Navigation Schließen Suche E-Mail Telefon Kontakt Pfeil nach unten Pfeil nach oben Pfeil nach links Pfeil nach rechts Standort Download Externer Link Startseite Geschützt