IL-31, Juckreiz und Barriereschädigung – neue Einblicke in den „Teufelskreis" der Neurodermitis

Ein Mädchen kratzt sich an der Haut am Armellenbogen, die Rötung ist eine atopische Dermatitis, das Gesicht des Mädchens ist nicht sichtbar
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IL-31: mehr als ein Juckreiz-Mediator

Die atopische Dermatitis (AD) zählt mit einer Prävalenz von 15-20 Prozent bei Kindern und etwa 3 Prozent bei Erwachsenen zur häufigsten chronischen Hauterkrankung (1). Pathophysiologisch ist sie durch das Zusammenspiel von Barrierestörung und fehlregulierter Immunantwort gekennzeichnet – zwei Faktoren, die sich gegenseitig verstärken.

Eine zentrale Rolle spielt dabei Interleukin-31 (IL-31). Das Zytokin wird vor allem von Th2-Zellen gebildet und bindet an spezifische Rezeptoren (IL-31RA/OSMRβ), die sowohl auf Hautzellen (Keratinozyten) als auch auf sensorischen Nerven vorkommen (2). Dadurch wirkt IL-31 doppelt: Es löst Juckreiz aus und fördert gleichzeitig entzündliche Prozesse in der Haut. Klinisch relevant: IL-31-Spiegel korrelieren mit dem Schweregrad der Erkrankung (3). Damit wird das Zytokin zur funktionellen Schnittstelle zwischen Entzündung und neuronaler Reizung.

Wie IL-31 die Barriere schwächt

Neben seiner Rolle als Juckreizmediator beeinflusst IL-31 auch direkt die Hautstruktur. In einem humanen 3D-Hautmodell konnte gezeigt werden, dass IL-31 die Ausbildung einer intakten Epidermis massiv stört: Die Haut erscheint ausgedünnt und strukturell desorganisiert, zentrale Strukturproteine wie Filaggrin, Keratin 10 und β4-Integrin sind signifikant reduziert (1).

Diese Veränderungen betreffen nicht nur die Zellarchitektur, sondern auch die Lipidorganisation im Stratum corneum. Insbesondere die für die Barriere essenziellen Lipidlamellen verlieren ihre Struktur. Gleichzeitig ist bekannt, dass die Haut von AD-Patient:innen generell durch eine veränderte Lipidzusammensetzung und reduzierte Ceramidspiegel charakterisiert ist (4). Die Folge: ein erhöhter transepidermaler Wasserverlust (TEWL) und eine deutlich durchlässigere Hautbarriere.

Barrieredefekt und Allergenpenetration: der Kreislauf schließt sich

Die funktionellen Folgen der gestörten Hautbarriere lassen sich auch experimentell gut zeigen. Unter dem Einfluss von IL-31 dringen Allergene deutlich leichter in die Haut ein – etwa fluoreszenzmarkierte Graspollenallergene (Phl p1) (1).

Damit entsteht ein selbstverstärkender Kreislauf: Allergene dringen leichter ein, werden immunologisch erkannt und fördern eine verstärkte Th2-Antwort. Dies führt zu einer weiteren Freisetzung von IL-31 und damit zu mehr Juckreiz, mehr Kratzen sowie zusätzlicher Barriereschädigung. Der klinisch bekannte „itch-scratch-cycle“ lässt sich damit auch auf molekularer Ebene erklären.

Barrierestabilisierung als therapeutischer Ansatz

Vor diesem Hintergrund ist die Basistherapie mit Emollienzien weit mehr als reine Pflege. Leitlinien empfehlen ihren konsequenten Einsatz zur Stabilisierung der Hautbarriere – auch in beschwerdefreien Phasen (5).

Experimentelle Daten zeigen, dass eine gezielte Unterstützung der Barriere den durch IL-31 verursachten Schaden tatsächlich ausgleichen kann: In einem 3D-Hautmodell führte die tägliche topische Anwendung einer ceramidhaltigen Öl-in-Wasser-Formulierung zu einer Aufhebung der IL-31-induzierten Downregulation von Filaggrin, Keratin 10 und β4-Integrin sowie zu einer Normalisierung der epidermalen Differenzierung. Zugleich zeigte sich eine deutlich reduzierte Penetration des Phl-p1-Allergens durch die Hautbarriere (1).

Bemerkenswert ist dabei der Wirkmechanismus: Mikroarray-Analysen zeigten keine direkten Effekte der Formulierung auf die Genexpression. Die Wirkung entfaltet sich somit nicht primär pharmakologisch, sondern über physikalisch-strukturelle Effekte auf die Hautbarriere (1). Die Substitution epidermaler Lipide – insbesondere von Ceramiden – kann die Regeneration der Barrierefunktion unterstützen. In diesem Zusammenhang werden auch Inhaltsstoffe wie Panthenol diskutiert, denen hydratisierende und regenerationsfördernde Eigenschaften zugeschrieben werden.

Hier setzt auch Bepanthen® Sensiderm an: Die Formulierung kombiniert hautähnliche Lipide (u. a. Ceramide) mit feuchtigkeitsspendenden Komponenten und unterstützt so die Reorganisation der gestörten Lipidlamellen. Dadurch können der transepidermale Wasserverlust reduziert und das Eindringen von Reizstoffen begrenzt werden. Dexpanthenol fördert zusätzlich die Hautregeneration und unterstützt die Wiederherstellung der Hautbarriere.

Abb. 1: Humanes 3D-Hautmodell im Vergleich zur Normalhaut. Unter Einfluss von IL-31 zeigt das Modell eine gestörte epidermale Differenzierung und dient zur Untersuchung barrierestabilisierender Topika.

Fazit

IL-31 ist weit mehr als ein Juckreizmediator: Es verbindet Entzündung, neuronale Reizung und Barriereschädigung zu einem sich selbst verstärkenden Krankheitsmechanismus.

Die gezielte Stabilisierung der Hautbarriere stellt daher einen zentralen therapeutischen Ansatz dar, um diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Topische Formulierungen, die die Lipidarchitektur der Haut unterstützen, können hier nicht nur Symptome lindern, sondern auch kausal in die Pathophysiologie eingreifen. Wie experimentelle Daten zeigen, erfolgt dies ohne direkten Einfluss auf die Genexpression, sondern über eine strukturelle Stabilisierung der Hautbarriere.

Quellen:

  1. Huth S et al. Effects of a ceramide-containing water-in-oil ointment on skin barrier function and allergen penetration in an IL-31 treated 3D model of the disrupted skin barrier. Exp Dermatol. 2018;27(9):1009–1014. doi:10.1111/exd.13697
  2. Furue M et al. Interleukin-31 and pruritic skin. J Clin Med. 2021;10(9):1906. doi:10.3390/jcm10091906
  3. Raap U et al. Correlation of IL-31 serum levels with severity of atopic dermatitis. J Allergy Clin Immunol. 2008;122(2):421–423. doi:10.1016/j.jaci.2008.05.047
  4. Kezic S et al. Skin barrier in atopic dermatitis. Front Biosci. 2014;19:542–556. doi:10.2741/4225
  5. Wollenberg A et al. Consensus-based European guidelines for treatment of atopic eczema in adults and children: part I. J Eur Acad Dermatol Venereol. 2018;32(5):657–682. doi:10.1111/jdv.14891

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Wirkstoff: Dexpanthenol

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Zur Unterstützung der Heilung bei oberflächlichen leichten Hautschädigungen an der Hornhaut, Bindehaut bzw. Nasenschleimhaut.

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Zur Unterstützung der Heilung von Haut- und Schleimhautläsionen verschiedener Ätiologie.

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Zur Unterstützung der Heilung bei oberflächlichen leichten Haut- und Schleimhautschädigungen.

 

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Bepanthen® ANTISEPTISCHE WUNDCREME darf nicht angewendet werden bei Überempfindlichkeit gegen Chlorhexidin, Dexpanthenol oder einen der sonstigen Bestandteile.

Das Arzneimittel darf nicht angewendet werden bei tiefen oder sezernierenden Wunden, Ulcus cruris und unter Verwendung eines Okklusivverbandes.

Kontakt mit Auge, Ohr und Schleimhaut ist zu vermeiden.

Bepanthen® Augen- und Nasensalbe; Bepanthen® Lösung; Bepanthen® Wund- und Heilsalbe darf nicht angewendet werden bei Überempfindlichkeit gegen Dexpanthenol oder einen der sonstigen Bestandteile.

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Überempfindlichkeit gegen Methyl-4-hydroxybenzoat oder Propyl-4-hydroxybenzoat.

Nebenwirkungen:

Bepanthen® ANTISEPTISCHE WUNDCREME; Bepanthen® Augen- und Nasensalbe; Bepanthen® LÖSUNG; Bepanthen® Wund- und Heilsalbe:

Erkrankungen des Immunsystems und Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes:

Allergischen Hautreaktionen wie z.B. Kontaktdermatitis, allergische Dermatitis, Juckreiz, Rötung, Ekzem, Ausschlag, Nesselsucht, Hautreizung und Bläschen.

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Erkrankungen des Immunsystems und Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes:

Überempfindlichkeit, anaphylaktische Reaktion und anaphylaktischer Schock (potentiell lebensbedrohlich) mit entsprechenden Manifestationen bzgl. Labor und Klinik einschließlich Asthma Syndrom, leichte bis mittelschwere Reaktionen, die potentiell Haut, Atemwege, Magen-Darm-Trakt und Herz-Kreislauf-System beeinflussen, einschließlich Symptomen wie z.B. Ausschlag, Nesselsucht, Ödeme, Juckreiz, Herz- und Atembeschwerden.

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