Schnell wachsende Melanome: Klinik, Molekulargenetik und Prognose

Schnell wachsende Melanome zeigen ein aggressives Tumorverhalten: Sie streuen frühzeitig und gehen mit einer schlechteren Überlebensprognose einher. Ein französisches Forscherteam untersuchte nun das Mutationsprofil dieser Tumore und verglich sie – auch unter epidemiologischen und klinischen Gesichtspunkten – mit nicht schnell wachsenden Melanomen.

Im Rahmen einer prospektiven Beobachtungsstudie analysierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler 200 Patientinnen und Patienten mit einem primär kutanen Melanom (Dicke ≥1 mm), die sich zwischen 2012 und 2014 an einer Klinik in Marseille zur Behandlung vorgestellt hatten. Die Wachstumsrate der Tumore bestimmten die Forschenden aus dem Verhältnis der Tumordicke und der Zeit bis zur Melanomentwicklung. Bei einer Wachstumsrate >0,5 mm pro Monat gingen sie von einem schnell wachsenden, bei einer Wachstumsrate ≤0,5 mm pro Monat von einem nicht schnell wachsenden Tumor aus. Alle Personen wurden zudem zu ihrer lebenslangen Sonnenexposition sowie zu Sonnenbränden befragt. Ferner unterzogen die Forschenden alle Tumore einer molekulargenetischen Analyse. Hierzu führten sie anhand von formalinfixierten und Paraffin-eingebetteten Tumorproben eine Deep-Target-Sequenzierung von 40 Melanom-Driver-Genen durch.

Ergebnisse

Das Studienkollektiv umfasste 112 Männer und das mediane Alter der Patientinnen und Patienten zum Diagnosezeitpunkt betrug 62 Jahre. 84% der Tumore waren am Stamm und 30,5% an der unteren Extremität lokalisiert. Den häufigsten histologischen Subtyp bildete das superfiziell spreitende (63,5%) Melanom, gefolgt vom nodulären Subtyp (29,5%). Etwa ein Drittel der Melanome zeigten Ulzerationen und 54% hatten eine Mitoserate von ≥1/mm 2 . 75% der Betroffenen hatten eine Sentinel-Node-Biopsie absolviert und in 12 Fällen lag zum Diagnosezeitpunkt eine Lymphknotenbeteiligung vor. Bei 70 der 200 Studienmelanome handelte es sich um schnell wachsende Tumore. Sie gingen im Vergleich zu den nicht schnell wachsenden Melanomen mit einem signifikant schlechteren 5-Jahres-rezidivfreien Überleben einher (58,4 vs. 73,7%; p = 0,014). Auch im Hinblick auf das 5-Jahres-Überleben ohne Fernmetastasen waren die Personen mit schnell wachsenden Tumoren im Nachteil (61 vs. 77,2%; p = 0,01). Die molekulargenetische Analyse ergab: Die schnell wachsenden Melanome wiesen deutlich häufiger deletäre Mutationen der 40 Driver-Gene auf. Insbesondere fanden die Forschenden bei ihnen gehäuft Mutationen von Rezeptortyrosinkinase-Genen sowie Mutationen von Genen des Zellzyklus- und des Methylierungspfads. Die multivariate Analyse ergab: Tumorulzerationen, die Tumordicke, eine geringere Sonnenexposition sowie FGFR2 (Fibroblast Growth Factor Receptor 2)-Mutationen waren signifikant mit einem schnellen Melanomwachstum assoziiert.

Fazit

Bei Melanomen, so das Fazit der Autorinnen und Autoren, korrelieren offenbar Ulzerationen, die Tumordicke sowie FGFR2-Mutationen mit einem aggressiven Wachstum und stellen Indikatoren für eine ungünstige Prognose dar. Anhand dieser Biomarker können ihrer Einschätzung nach möglicherweise diejenigen Patientinnen und Patienten identifiziert werden, die von einer adjuvanten Therapie profitieren. Sie halten daher ein entsprechendes Mutationsscreening für sinnvoll.

Quelle:

Judith Lorenz; Aktuelle Dermatologie, 2022; 48(05): 190-191| © 2022. Thieme

Literatur:

Gaudy-Marqueste C et al. J Am Acad Dermatol 2022:86:312-321

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