Physiologische Anpassung an Hitze: Was der Mensch verkraftet – und wo seine Grenzen liegen

Hitze stellt den menschlichen Organismus vor eine erhebliche physiologische Herausforderung. Dr. Peter Stein beschreibt in seinem Vortrag kurzfristige, mittelfristige und langfristige Anpassungsmechanismen, ordnet evolutionäre Zusammenhänge ein und zeigt, wo die Grenzen dieser Anpassung liegen.

Dr. med. Peter Stein
© Bayer Vital GmbH

Wie reagiert der menschliche Körper akut auf Hitze?

Kurzfristige Anpassungen erfolgen vor allem über periphere Vasodilatation und eine verstärkte Schweißproduktion. Beides führt zu Volumenverlust und Kreislaufbelastung – besonders relevant für ältere Menschen, Patient*innen mit Herzinsuffizienz oder unter Betablockertherapie. Die akute Wärmeexposition beansprucht sowohl das Herz-Kreislauf-System als auch den Flüssigkeitshaushalt und kann schnell zu Dekompensationen führen.

Welche Mechanismen stabilisieren den Körper bei wiederholter Hitzebelastung?

Mittelfristige Anpassungen setzen innerhalb weniger Tage bis Wochen ein. Dazu zählen:

  • effizientere Schweißproduktion,
  • verbesserte Elektrolytrückhaltung,
  • optimierte Wärmeabgabe,
  • geringere Kreislaufbelastung unter gleicher Temperatur.

Diese Prozesse erhöhen die thermophysiologische Belastbarkeit, sind aber von regelmäßiger Wärmeexposition abhängig und stoßen biologisch an klare Grenzen.

Kongressvideo Spektrum Hautgesundheit 2025

Auf dem Kongress wurde von unseren Referent*innen verschiedene Themen heiß diskutiert. Schauen Sie doch gerne einmal in die spannenden Auszüge der Diskussionsrunde rein, in der auch Dr. Stein seine Ansichten zu verschiedenen Themen teilt:

Klimawandel und Anpassungsfähigkeit

Welche evolutionären Faktoren bestimmen die Hitzeanpassung?

Der Vortrag ordnet die Thermoregulation in einen anthropologischen Kontext ein. Körperbau, Hautpigmentierung und das Verhältnis von Oberfläche zu Volumen beeinflussen die Wärmeabgabe und variieren zwischen Populationen. Stein verweist auf Konzepte wie die Bergmannsche Regel und macht deutlich, dass der Mensch trotz technischer Möglichkeiten denselben physiologischen Gesetzmäßigkeiten unterliegt wie andere Säugetiere.

Wo liegen die physiologischen Grenzen der Hitzeanpassung?

Anpassung ist nur innerhalb eines biologisch festgelegten Bereichs möglich. Stein beschreibt eine obere Grenze der thermophysiologischen Regulation, oberhalb derer der Körper Wärme nicht mehr ausreichend abgeben kann – insbesondere bei simultan hoher Umgebungstemperatur und Luftfeuchtigkeit. In diesem Bereich steigt das Risiko für Kreislaufdekompensation, Hyperthermie und hitzebedingte Notfälle spürbar an. Die Grenze ähnelt der „Todeszone“ in der Höhenphysiologie, ab der keine nachhaltige Anpassung mehr stattfindet.

Wie wird Hitze im medizinischen Kontext verständlich vermittelt?

Der Vortrag nutzt anschauliche Beispiele, um thermophysiologische Zusammenhänge zu erklären, etwa den Einfluss der Strahlungswärme, den Zusammenhang zwischen Oberflächenstruktur und Wärmeabgabe sowie Grundlagen der Atmosphärenphysik wie den Tyndall-Effekt. Diese physikalischen Prinzipien helfen zu verstehen, warum steigende Temperaturen die thermophysiologische Reserve verringern und vulnerable Patient*innengruppen stärker belasten.

Fazit

Dr. Peter Stein zeigt, dass der menschliche Körper über mehrere Ebenen der Hitzeanpassung verfügt – von akuten Kreislaufreaktionen bis hin zu evolutionären Mechanismen. Doch diese Anpassungsfähigkeit ist begrenzt. Steigende Temperaturen erhöhen das Risiko für thermische Belastungen, insbesondere bei älteren oder vorerkrankten Menschen. Der Vortrag ordnet diese Prozesse wissenschaftlich ein und unterstreicht, dass Hitze ein wachsendes Gesundheitsrisiko im Klimawandel darstellt.

Redaktion: Dr. Christian Kretzschmer, Gelbe Liste Online

Zurück zur Übersicht

Navigation Schließen Suche E-Mail Telefon Kontakt Pfeil nach unten Pfeil nach oben Pfeil nach links Pfeil nach rechts Standort Download Externer Link Startseite Geschützt