Laser, Kryotherapie und Wundheilung: Moderne Strategien bei aktinischen Keratosen und Hautbarriere-Störungen

In seinem Vortrag verknüpft Jens Malte Baron die Therapie aktinischer Keratosen mit Fragen der Hautbarriere, der kontrollierten Entzündung und der Narbenprävention. Im Mittelpunkt stehen Kryotherapie, ablativer und fraktionierter Laser, die Kombination mit PDT sowie Microneedling-Methoden.

Jens Malte Baron
© Bayer Vital GmbH

Welche Therapieoptionen stehen bei aktinischen Keratosen zur Verfügung – und wie wähle ich sie aus?

Jens Malte Baron verweist darauf, dass aktinische Keratosen relevante Vorstufen des hellen Hautkrebses sind und dass das Risiko für ein invasives Plattenepithelkarzinom mit der Anzahl der Läsionen steigt. Einzelne Läsionen können chirurgisch, mittels Kürettage, Kryotherapie oder Laserablation behandelt werden. Bei ausgedehnten Feldschäden kommen photodynamische Therapie (PDT) und topische Arzneimittel zum Einsatz, darunter auch neuere Präparate mit dualem Wirkmechanismus, die allerdings nur auf begrenzte Areale zugelassen sind.

Ein zentrales Praxisproblem ist die Therapiedauer, die maßgeblich die Compliance beeinflusst: Kryotherapie, Laser und PDT ermöglichen meist schnellere Ergebnisse, während topische Therapien längere Behandlungszeiträume erfordern. Daten zur Kombination von Verfahren sind bislang begrenzt, vergleichsweise gut untersucht ist die Kombination aus Laser und PDT.

Wie wirkt die Kryotherapie – und warum ist eine frühe Nachbehandlung entscheidend?

Baron demonstriert histologisch, dass bereits ein einmaliger viersekündiger Sprühstoß eine deutliche epidermale Nekrose, oberflächliche Abtragung und eine Erosion hinterlässt. Ohne Nachbehandlung bleibt die Reepithelisierung selbst nach fünf Tagen unvollständig.

Die frühe Aftercare direkt nach der Kryotherapie – etwa mit dexpanthenolhaltiger Salbe – beschleunigt die Wundheilung, reduziert Entzündungsmarker und stabilisiert Differenzierungs- und Barrieregene. Externe klinische Daten und Barons klinische Erfahrung weisen darauf hin, dass sich die Abheilzeit um mehrere Tage verkürzen lässt.

Welche Möglichkeiten bietet die Lasertherapie bei aktinischen Keratosen?

Baron unterscheidet zwei Strategien: ablative Vollflächenbehandlung und fraktionierte Lasertherapie in Kombination mit PDT.

Ablative Vollflächenbehandlung

Bei ausgeprägten, therapieresistenten Befunden – etwa großflächigen aktinischen Keratosen am Kapillitium – kommt die vollflächige ablative CO₂-Lasertherapie infrage. Dabei wird das gesamte betroffene Areal schichtweise abgetragen, bis kein pathologisch verändertes Gewebe mehr nachweisbar ist. Baron berichtet von Patient*innen mit massivem Feldschaden, bei denen eine einmalige Behandlung in Vollnarkose zu langjährigen rezidivfreien Intervallen führte, allerdings um den Preis einer intensiven Wundphase über mehrere Tage und einer Gesamtheilungsdauer von zwei bis drei Wochen. Besonders an Unterlippe und Helix setzt er den ablativen Laser gezielt ein, um die gesamte „Lichtterrasse“ zu sanieren und zugleich ein funktionell und ästhetisch überzeugendes Ergebnis zu erzielen

Fraktionierte Lasertherapie in Kombination mit PDT

Zunehmend an Bedeutung gewinnt jedoch die fraktionierte Lasertherapie mit anschließender PDT. Fraktionierte CO₂- und Er:YAG-Laser erzeugen mikroskopische Ablationssäulen, zwischen denen Inseln intakter Haut verbleiben; über diese Säulen dringen PDT-Wirkstoffe deutlich besser ein. Klinisch zeigt sich dies in einer stärkeren Reaktion im behandelten Areal, histologisch in einer erhöhten Zerstörung dysplastischer Keratinozyten. Studien belegen, dass die Kombination aus fraktionierter Laserung und PDT gegenüber einer alleinigen PDT höhere Clearance-Raten, weniger Dyschromien und eine verbesserte Hauttextur erzielt. Für spezielle Entitäten wie Morbus Bowen der unteren Extremität existieren zudem Daten, die eine überlegene Wirksamkeit der Kombination gegenüber Wiederholungs-PDT zeigen.

Darüber hinaus verweist Baron auf Beobachtungen, dass fraktionierte Laserbehandlungen an UV-exponierten Arealen mit einer verminderten Inzidenz neuer Hauttumoren einhergehen. In Biopsien ließ sich zugleich eine Verlängerung der Telomerlänge nachweisen – ein Hinweis auf eine regenerative, möglicherweise präventive Komponente der fraktionierten Lasertherapie.

Kongressvideo Spektrum Hautgesundheit 2025

Sie möchten sich selbst einen Eindruck von Herrn Prof. Barons Vortrag machen? Dann schauen Sie sich doch gerne hier die Videos an. Wir haben für Sie die wichtigsten Kernaussagen zusammengestellt:

Lasertherapien und Hautkrebsprävention

LASH und innovative Lasertherapien

Welche Bedeutung hat die Kombination aus Laser und topischer Aftercare für Wundheilung und Narbenbildung?

Unter dem Konzept der „Laser-assisted scar healing“ (LASH) diskutiert Baron die frühe Laserbehandlung von Operationsnarben. In klinischen Studien wurden Hautareale direkt nach der Operation getestet: Eine Hälfte der Narbe wurde unmittelbar mit einem geeigneten Laser (z. B. Dioden- oder Er:Glass-Laser im Bereich um 1.045 nm) behandelt, die andere Hälfte diente als Kontrolle. Die gelaserten Areale zeigten weniger Rötung, geringere Hypertrophie und insgesamt bessere Narbenqualität.

Diese klinischen Befunde spiegeln sich im Hautmodell wider: Standardisierte Verletzungen heilen nach LASH sichtbar schneller, bereits nach 16 Stunden ist der Wundverschluss deutlich weiter fortgeschritten als ohne Laser. Genexpressionsanalysen belegen eine frühe Aktivierung von Differenzierungs- und Barrieregenen sowie eine gleichzeitige Abnahme entzündlicher Signaturen.

Wird zusätzlich unmittelbar nach der Laserbehandlung eine geeignete topische Aftercare eingesetzt, verstärken sich diese Effekte nochmals. Die Hautbarriere stabilisiert sich schneller, Differenzierungsmarker steigen an, und entzündliche Mediatoren werden weiter herunterreguliert. Baron betont, dass dies einen Paradigmenwechsel gegenüber dem früheren „Abwarten über sechs Monate“ darstellt und dass frühe Intervention am OP-Tag oder spätestens bei Fadenentfernung zu deutlich besseren Narbenverläufen führen kann.

Wie wirken Microneedling und Radiofrequenz-Microneedling im Vergleich?

Am Hautmodell zeigt Baron die unterschiedlichen Reaktionsmuster beider Verfahren. Beim medizinischen Microneedling erzeugt ein Stempel zahlreiche Mikroverletzungen in definierter Tiefe – im Modell die stärkste Belastung. Es entsteht eine ausgeprägte Entzündungsreaktion, die zunächst Immunzellen anlockt; die Kollagenneubildung erfolgt indirekt über diese immunvermittelten Remodelling-Prozesse.

Beim Radiofrequenz-Microneedling dringen isolierte Nadeln einmalig in die Haut ein; Energie wird ausschließlich an der Nadelspitze in der Dermis abgegeben, während die Epidermis weitgehend geschont wird. Das Verfahren ist für alle Hauttypen geeignet. Histologisch beginnt die Wirkung in der unteren Epidermis und setzt sich in der Dermis fort; genetisch zeigen sich Veränderungen in Kollagen-, Matrix- und Wundheilungsgenen.

Für beide Methoden gilt: Frühe topische Aftercare fördert eine schnellere Reepithelisierung, ohne den gewünschten stimulierenden Effekt zu beeinträchtigen. Die initiale Entzündungsreaktion bleibt stark genug, um Remodelling auszulösen, während Barriere- und Differenzierungsmarker früher normalisieren.

Fazit

Die Behandlung aktinischer Keratosen und UV-induzierter Hautschäden erfordert heute ein integriertes Therapiekonzept, fasst Baron zusammen. Kryotherapie, ablativer und fraktionierter Laser, PDT und eine gezielte topische Nachbehandlung greifen eng ineinander und beeinflussen nicht nur die Tumorlast, sondern auch Barrierefunktion, Entzündung und Wundheilung.

Eine frühe Aftercare direkt am Behandlungstag beschleunigt die Regeneration nach Kryotherapie, Laserbehandlungen und operativen Eingriffen. Die Kombination aus fraktionierter Laserung und PDT erhöht die Wirksamkeit, verbessert ästhetische Ergebnisse und zeigt Hinweise auf präventive Effekte in stark UV-belasteten Arealen.

Microneedling und Radiofrequenz-Microneedling ergänzen das Spektrum als kollagenstimulierende Verfahren; ihre Resultate profitieren ebenfalls von einer frühzeitigen, barriereunterstützenden Nachbehandlung.

Redaktion: Dr. Christian Kretzschmer, Gelbe Liste Online

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