Kontaktallergie, Adipositas und Ernährung: Wie Entzündung Immunsystem und Haut verbindet

Der Vortrag verbindet Grundlagen der Kontaktallergie mit systemischen Effekten von Adipositas und Ernährung. Im Fokus stehen die Entzündungstypen bei Kontaktdermatitis, der Einfluss von Fettgewebe und Mikrobiom auf das Immunsystem und die Frage, wie ernährungsmedizinische Strategien zukünftig zur Prävention nichtübertragbarer Erkrankungen beitragen können.

Wie entstehen T-zellvermittelte Kontaktallergien durch niedermolekulare Moleküle?

Martin beschreibt die Kontaktdermatitis als T-zellvermittelte, entzündliche Erkrankung der Haut. Kontaktallergene – niedermolekulare organische Verbindungen – gelangen nach Aufnahme in der Haut in die Lymphknoten, wo sie präsentiert werden und eine spezifische T-Zellantwort auslösen. Dabei lassen sich verschiedene Entzündungstypen unterscheiden: Typ-1-, Typ-2- und Typ-3-Entzündungen, die jeweils mit charakteristischen Zytokinen und T-Zellsubtypen verbunden sind. In der Kontaktdermatitis dominieren Typ-1- und Typ-3-Entzündungen; je nach Allergen kann auch eine Typ-2-Komponente hinzukommen. Regulatorische T-Zellen (Tregs) bilden im gesunden Zustand eine wichtige Bremse des Immunsystems, ihre Aktivität nimmt jedoch mit zunehmender Entzündung ab.

Wie beeinflussen Adipositas und westliche Ernährung das Immunsystem?

Adipositas ist mit einer chronisch unterschwelligen Typ-1-Entzündung verknüpft. Im nichtadipösen Fettgewebe überwiegen antientzündliche Mediatoren wie Interleukin-10; unter hochkalorischer, fettreicher und zuckerreicher Ernährung („westliche Ernährung“) verschiebt sich das Profil hin zu proinflammatorischen Zytokinen und proinflammatorischen Makrophagen. In experimentellen Modellen verlieren Mäuse unter einer solchen Diät ihre ursprüngliche Resistenz gegenüber Kontaktallergien: Obwohl bestimmte angeborene Rezeptoren fehlen, entwickelt sich dennoch eine Kontaktdermatitis. Nach Martin weist dies auf einen entzündungsgetriebenen „Bypassmechanismus“ hin, bei dem die adipositasbedingte Entzündung zentrale immunologische Kontrollpunkte umgeht.

Kongressvideo Spektrum Hautgesundheit 2025

Sie möchten sich selbst einen Eindruck von Herrn Prof. Martins Vortrag machen? Dann schauen Sie sich doch gerne hier das Video an. Wir haben für Sie die wichtigsten Kernaussagen zusammengestellt:

Übergewicht = chronische Entzündungen: auch eine Extremsituation für die Haut?

Warum erhöht Adipositas das Risiko für zahlreiche nichtübertragbare Erkrankungen?

Adipositas steht in engem Zusammenhang mit einer Vielzahl nichtübertragbarer Erkrankungen – von kardiovaskulären Erkrankungen über Typ-2-Diabetes bis zur nichtalkoholischen Fettleber und bestimmten Krebsarten. Grundlage dieser breiten Krankheitsassoziation ist das Zusammenspiel aus chronischer systemischer Entzündung, Dysbiose des Mikrobioms, Barrierestörungen und metabolischen Veränderungen. Eine bestehende „Grundentzündung“ im Sinne einer leicht erhöhten Entzündungsaktivität erleichtert das Überschreiten kritischer Schwellenwerte für pathologische Prozesse – und macht Adipositas zu einem zentralen Risikofaktor für den gesamten Organismus.

Welche Rolle spielen Mikrobiom und Barrierefunktion in diesem Kontext?

Das Mikrobiom – in Mundhöhle, Darm, Lunge und auf der Haut – trägt wesentlich zur Immunhomöostase bei. Ballaststoffarme, stark verarbeitete Ernährung kann die Diversität des Mikrobioms verringern, die Schleimschicht (Mukusschicht) ausdünnen und die Barrierefunktion beeinträchtigen. Dadurch steigt die Durchlässigkeit für mikrobielle Bestandteile, die systemische Entzündungsreaktionen verstärken und metabolische Störungen begünstigen können. Martin fasst diese Zusammenhänge unter den Begriffen Barrieredefekt, Dysbiose und chronische Entzündung zusammen – mit direkten Konsequenzen für das Risiko zahlreicher Erkrankungen.

Welche Perspektiven eröffnet „nutritional precision medicine“?

Angesichts der breiten systemischen Folgen von Adipositas rückt die Ernährung zunehmend als therapeutische Schnittstelle zwischen Immunregulation, Mikrobiom und Stoffwechsel in den Fokus. Vor diesem Hintergrund sieht Martin in Prävention, Gewichtsreduktion und maßgeschneiderter Ernährung eine zentrale Stellschraube der öffentlichen Gesundheit. Auch die Weltgesundheitsorganisation fordert, Adipositasprävention und -management als tragende Säule gesundheitspolitischer Strategien zu etablieren.

„Nutritional precision medicine“ – also individuell zugeschnittene Ernährungsinterventionen, die das Mikrobiom gezielt positiv beeinflussen, regulatorische Mechanismen stärken und entzündungsfördernde Prozesse abschwächen – sei ein vielversprechender Ansatz, so Martin. Frühzeitige Interventionen – idealerweise bereits vor Manifestation ausgeprägter Erkrankungen – könnten epigenetische Prägungen und chronische Entzündungszustände abmildern und so das Risiko für ein breites Spektrum nichtübertragbarer Erkrankungen senken.

Fazit

Kontaktallergie, Adipositas, Mikrobiom und Ernährung sind immunologisch eng verknüpft. Niedermolekulare Kontaktallergene, chronische Typ-1-Entzündung im Fettgewebe und durch Ernährung getriggerte Dysbiose tragen gemeinsam dazu bei, Entzündungsschwellen zu senken und das Risiko für zahlreiche Erkrankungen zu erhöhen. Prävention, Gewichtsreduktion und ernährungsmedizinische Ansätze, die gezielt auf Barrierefunktion und Mikrobiom abzielen, gewinnen damit auch aus dermatologischer Perspektive an Bedeutung.

Redaktion: Dr. Christian Kretzschmer, Gelbe Liste Online

Zurück zur Übersicht

Navigation Schließen Suche E-Mail Telefon Kontakt Pfeil nach unten Pfeil nach oben Pfeil nach links Pfeil nach rechts Standort Download Externer Link Startseite Geschützt