Klimawandel im Brennpunkt: Warum physikalische Grenzen politisches Handeln erzwingen
Der Polarforscher Arved Fuchs berichtet aus jahrzehntelanger Expeditionspraxis über den rasanten Wandel in der Arktis: schwindendes Meereis, steigende Temperaturen und globale Rückkopplungseffekte. Im Mittelpunkt steht wie Citizen Science, Kommunikation und gesellschaftliche Teilhabe effektiver gestaltet werden können.
Warum fällt es uns so schwer, wissenschaftliche Fakten in politisches Handeln zu übersetzen?
Der Vortrag macht deutlich, dass physikalische Gesetzmäßigkeiten – wie Schwerkraft oder Klimaerwärmung – unabhängig von Meinungen wirken. Die Herausforderung liege darin, dass Klimawandel für viele Menschen abstrakt bleibt und ohne emotionale Verbindung schwer greifbar ist.
Um wirksam zu kommunizieren, müssen komplexe Inhalte verständlich und anschaulich vermittelt werden. Bilder, Geschichten und konkrete Beispiele helfen, die Bedeutung der Veränderungen begreifbar zu machen – insbesondere für Menschen ohne naturwissenschaftlichen Hintergrund.
Wie können Klimawissenschaften besser vermittelt werden?
Ein zentraler Ansatzpunkt ist Kommunikation: Inhalte müssen dort sichtbar werden, wo Menschen sich aufhalten – zunehmend auch virtuell und über Social Media. Fuchs verweist auf das Projekt Ocean Change, das Menschen digital auf Expeditionen mitnimmt und wissenschaftliche Erkenntnisse nahbar macht. Statt Frontalunterricht oder Moralisieren braucht es niedrigschwellige, lebensnahe Zugänge, die Alltagsbezüge schaffen und Beteiligung ermöglichen.
Welche Rolle spielt gesellschaftlicher Konsens?
Klimaschutz kann nur gelingen, wenn ein breiter gesellschaftlicher Konsens entsteht. Fuchs zieht Vergleiche zu früheren gesellschaftlichen Veränderungen – etwa beim Rauchen –, um zu verdeutlichen, wie sich Haltung und Verhalten kollektiv verschieben können. Nachhaltigkeit müsse ähnlich selbstverständlich werden: im Umgang mit Ressourcen, Energie, Konsum und Mobilität. Entscheidend sei, dass politische Prozesse nicht allein die Verantwortung tragen – Veränderung beginne bei den Menschen selbst.
Kongressvideo Spektrum Hautgesundheit 2025
Auf dem Kongress wurde von unseren Referent*innen verschiedene Themen heiß diskutiert. Schauen Sie doch gerne einmal in die spannenden Auszüge der Diskussionsrunde rein, in der auch Dr. Stein seine Ansichten zu verschiedenen Themen teilt:
Welche politischen Hürden bremsen den Klimaschutz?
Mehrere strukturelle Faktoren erschweren konsequentes politisches Handeln: Entscheidungsträger agieren in kurzen Legislaturzyklen, reagieren auf wechselnde Stimmungen und müssen divergierende Interessengruppen berücksichtigen. Gleichzeitig wächst der Handlungsdruck – weltweit sind Küstenregionen bereits durch steigende Meeresspiegel bedroht, und erhebliche wirtschaftliche Werte stehen auf dem Spiel. Diese ökonomische Dimension kann dazu beitragen, langfristige Maßnahmen stärker in politische Entscheidungsprozesse zu rücken.
Wie kann Citizen Science zu mehr Klimaschutz beitragen?
Citizen-Science-Initiativen, partizipative Messprojekte und niedrigschwellige Formate besitzen großes Potenzial, wissenschaftliche Erkenntnisse in die Breite zu tragen. Ein Beispiel sind UV-Dosimeter-Messungen über ein gesamtes Jahr, die selbst während der Polarnacht Daten liefern. Solche Beteiligungsformate schaffen Sichtbarkeit für konkrete Umweltveränderungen, fördern Verständnis und können gesellschaftlichen Druck auf politische Akteur*innen verstärken.
Fazit
Arved Fuchs macht klar: Die Arktis dient als Frühwarnsystem – das schwindende Packeis ist Ausdruck globaler Veränderungen mit direkten Folgen für Wetterextreme, Volkswirtschaften und Gesundheit. Fakten seien nicht verhandelbar, doch ihre Umsetzung in politisches Handeln erfordere verständliche Kommunikation, gesellschaftliche Beteiligung und entschlossene Maßnahmen. Klimaschutz beginne nicht nur in Regierungshäusern, sondern bei den Entscheidungen, die Menschen täglich treffen.
Redaktion: Dr. Christian Kretzschmer, Gelbe Liste Online