Dermatologie zwischen Klimawandel und technologischer Innovation: Nachhaltigkeit, Hautschutz und KI im klinischen Alltag

Der Vortrag von Sandra Schuh spannt einen Bogen zwischen Klimawandel, alltäglichem Klinikbetrieb und modernster Diagnostik. Sie zeigt, wie diese Entwicklungen zusammenspielen – und wie dermatologische Versorgung ressourcenschonend gestaltet werden kann.

Sandra Schuh
© Bayer Vital GmbH

Welche Maßnahmen machen dermatologische Versorgung nachhaltiger?

Schuh beschreibt eine Reihe konkreter Schritte im Klinikalltag: digitale Akten statt Papier, digitale Aufklärung, Teledermatologie zur Reduktion von Anfahrtswegen, gebündelte Termine und konsequentes Abschalten nicht benötigter Geräte. Auch im OP-Bereich gebe es großes Potenzial – etwa durch personalisierte, wiederverwendbare Kittel, reduzierte Einwegmaterialien und bewusste Auswahl der benötigten Instrumente. Sie betont, dass nachhaltige Strukturen sowohl in Kliniken als auch in Praxen umgesetzt werden können.

Wie klimaresilient ist die Haut – und wie lässt sie sich schützen?

Im Vortrag wird deutlich, dass UV-Strahlung, Hitze, Feuchtigkeit, Allergene und Schadstoffe die Hautbarriere messbar belasten. Parameter wie transepidermaler Wasserverlust oder inflammatorische Marker zeigen, wie stark die Haut auf Umweltstress reagiert. Schutz biete ein umfassender Ansatz aus UV-Kleidung, Sonnenschutz, angepasster Aufenthaltsplanung bei hohem UV-Index und barriereunterstützender Pflege, etwa durch ceramidhaltige Emollienzien. Auch institutionelle Hitzeschutzpläne in Kliniken, Schulen, Pflegeeinrichtungen und Betrieben können zur Prävention beitragen.

Kongressvideo Spektrum Hautgesundheit 2025

Sie möchten selbst einen Eindruck von Frau Dr. Schuhs Vortrag gewinnen? Dann schauen Sie sich doch gerne hier die Videos an. Wir haben für Sie die wichtigsten Kernaussagen zusammengestellt:

Hautanalyse und KI in der Dermatologie

KI und Hautkrebsdiagnostik im Fokus

Sind klimabedingte Veränderungen bereits im klinischen Alltag sichtbar?

Ja – Schuh berichtet von einer deutlichen Zunahme UV-bedingter Hautschäden und Hauttumoren. Die Zahl der Operationen und dermatologischen Sprechstunden steigt kontinuierlich. Parallel nehmen irritative und allergische Kontaktekzeme zu, die Allergiesprechstunden sind stark ausgelastet. Hitzeassoziierte Dermatosen wie Miliaria („Hitzepickel“) und Intertrigo treten häufiger auf, insbesondere bei älteren Menschen und in Pflegeeinrichtungen. Auch Photodermatosen und neue vektorassoziierte Erkrankungen – etwa durch die Tigermücke – werden relevanter.

Welche Rolle spielen moderne Bildgebung und KI?

Der zweite Teil des Vortrags zeigt die Entwicklung der nicht-invasiven Diagnostik: von der Dermatoskopie über die konfokale Lasermikroskopie bis hin zu neueren 3D-basierten Verfahren, die eine höhere Eindringtiefe und eine nahezu zelluläre Auflösung ermöglichen. Diese Methoden werden u. a. zur Früherkennung von Hauttumoren, zur Vermeidung unnötiger Biopsien und Operationen, zur Bestimmung der Tumordicke sowie zur Therapiekontrolle eingesetzt.

KI-Systeme unterstützen die Befundung, indem sie Strukturen markieren, Muster erkennen oder Wahrscheinlichkeiten visualisieren und so eine Triage oder OP-Randbeurteilung erleichtern. Sie sind jedoch auf hochwertige Trainingsdaten angewiesen und ersetzen ärztliche Expertise nicht. Schuh betont, dass Transparenz, Datenqualität und ärztliche Entscheidungshoheit bei allen KI-gestützten Verfahren zentral bleiben.

Fazit

Der Vortrag verbindet zwei Entwicklungen: zunehmenden Umweltstress und immer leistungsfähigere Diagnostik. Schuh zeigt, wie Dermatologie durch nachhaltige Prozesse, moderne Bildgebung und KI zukunftsfähig werden kann – und wie Prävention, Früherkennung und ressourcenschonende Strukturen die Versorgung verbessern. Die Dermatologie steht damit an einer Schnittstelle von Klimawandel und technologischer Innovation.

Redaktion: Dr. Christian Kretzschmer, Gelbe Liste Online

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